Nachruf Wolfgang Jantzen
Von Nora Bräcklein 

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Am 22.11.2020 ist Wolfgang Jantzen gestorben. Der Begründer der materialistischen Behindertenpädagogik wurde 79 Jahre alt. Bis zu seinem Tod setzte er sich „als eingreifender Intellektueller“ (Grams 2020) für die Überwindung jeder Besonderung und Aussonderung behinderter Menschen ein.

Sein Leben war gezeichnet von seinem unermüdlichen Einsatz aus Überzeugung, der ihn auch im Ruhestand als emeritierter Professor nicht ruhen ließ. Dabei arbeitete er nicht nur wissenschaftlich engagiert weiter, sondern unterstützte auch praktische Auseinandersetzungen mit seinem Rat und seiner Expertise. Ein halbes Jahrhundert lang setzte er sich gegen die Isolation behinderter Menschen in Heimen, Sonderschulen und Werkstätten ein. Er unterstützte die emanzipatorische Behindertenbewegung, stand aber auch in „Einzelfällen“ mit Rat und Tat zur Seite, wenn es z.B. darum ging, die pauschale Zuschreibung einer geistigen Behinderung in etwa im Falle eines Down Syndroms anzufechten, oder auf andere Weise einem Menschen aus der Isolation in Einrichtungen etc. heraus zu verhelfen.

Gemeinsam mit Georg Feuser vertrat er als einer der ersten die Idee der Integration, die sich nur durch die Überwindung jeglicher Exklusion verwirklichen lässt. Wie sie Integration fassten, geht dabei weit über das hinaus, was heute als Inklusion propagiert wird. Wolfgang Jantzen veranschaulicht das deutlich im Titel seines 1993 erschienen Buches „Das Ganze muß verändert werden. Zum Verhältnis von Behinderung, Ethik und Gewalt“. Ohne eine radikale, umfassende gesellschaftliche Veränderung kann es auch keine Emanzipation von Behinderung geben und so zieht sich die Untersuchung der Entstehung von Behinderung als „gesellschaftliche Seite eines individuellen Schädigungsprozesses“ (Jantzen 1976, S. 15) durch sein gesamtes Werk.

Dezember 2020


Lukács Ästhetik

Written by Hassan Maarfi Poor

Lukács Politisierung der Ästhetik und Ästhetisierung der Politik.
Wenn man über die Ästhetik Lukács sprechen will, muss man sich fragen, was bei Lukács keine Ästhetik ist. Man kann zweifellos sagen, dass Lukács gesamte Schriften mehr oder weniger mit der Theorie der Ästhetik, der ästhetischen Theorie und vor allem der marxistischen Ästhetik verbunden sind und aus ästhetischer Perspektive gelesen werden können. Von seiner Jugend bis zum Tod versucht Lukács, seine Kenntnisse zu vertiefen und die Wissenschaft weiterzuentwickeln. Von seiner Ästhetik sprechend, muss man aber spezifizieren, welche Ästhetik gemeint ist.

Anthropologie der "neuen" Linke Deutschland 

Diese Arbeit ist Produkt meiner Erfahrung in den letzten sieben Jahren mit den „neuen“ Linken in Deutschland und gleichzeitig eine theoretische Kritik der falschen Praxis der sogenannten „neuen“ Linken. Ich nehme die Linkspartei als ein Beispiel und ein Dach, unter dem alle diese Kräfte trotz ihrer Kritik an dieser oder jener Position der Linkspartei irgendwie gezwungen sind, mit der Linkspartei zu arbeiten oder eine Koalition mit ihr einzugehen. Die trotzkistischen Gruppen sind ebenso ein Beispiel dafür wie die IL. Der Konsens und Pluralismus sind die neue Religion dieser uneinheitlichen Strömungen. Mit Konsens und Pluralismus meinen sie eigentlich die Abschaffung jeder Art der „Freiheit der Kritik“ im Sinne von Lenin und die Überwindung der Dialektik. Habermas hat schon längst diese reaktionären, antidialektischen, naiven Auffassung in seiner „Theorie des kommunikativen Handelns“ dargelegt und vertreten. Er ging davon aus, eine „neue“ Auffassung des Marxismus zu vertreten, aber das war genau die Integration in die reaktionäre bürgerliche Logik innerhalb der bestehenden Ordnung für das Aufrechterhalten des Kapitalismus.

Hier versuche ich, möglichst knappt meine Beobachtungen zu theoretisieren und die Philosophie der Praxis anzuwenden. Diese Analyse darf nicht als journalistischer Texte oder ethnologische Feldforschung verstanden werden, obwohl ich teilweise eine anthropologische Methode verwende. Die Anthropologie wird hier als Methode benutzt und gegen den anthropologischen Positivismus und Skeptizismus verwendet, die weltweit getrieben werden. Die naive positivistische Gleichgültigkeit der heutigen postmodernen Ethnologie und Anthropologie teile ich nicht, sondern ich stelle mich mit all meinen Kräften auf die Seite der Unterdrückten und das Proletariats, zu dem ich selbst gehöre. Ideologisch vertrete ich den orthodoxen Marxismus. In Laufe des Textes zeige ich, was ich unter orthodoxem Marxismus verstehe. 

Diese Kritik soll nicht zur Enttäuschung von der politischen linken Arbeit führen mit dem Ergebnis der Resignation, sondern als eine Kritik, die im Interesse der Radikalisierung der linken und Arbeiterbewegung ihre Wirkung in der politischen Reflexion der radikaleren Mitglieder der „neuen“ Linken entfalten soll. Es geht mir hier nicht um ein reines Schlechtreden der „neuen“ Linken, sondern auch darum, positive Ansätze und Anknüpfungspunkte herauszuarbeiten.

Iran nach den Präsidentschaftswahlen 2021

Dem mehrheitlich zum Ausdruck gebrachten NEIN zum Regime folgen nun landesweite Streiks

Aus mehr als 40jähriger Erfahrung ist die überwiegende Mehrheit der iranischen Gesellschaft längst dahinter gekommen, dass „Wahlen“ unter der Herrschaft der islamischen Republik hohl und sinnentstellt sind. Ein obskures Gremium an der Spitze der Machtpyramide des Regimes ernennt eine Handvoll bewährter Kader aus dem engsten Kreis der Führung zu Kandidaten und stellt sie zur „Wahl“. Auch dies gehört zu den „Wahlregeln“ des Regimes, dass als „Gewinner der Wahl“  stets  die Person den Gang zur Urne verlässt, die von vornherein feststeht. Die Präsidenten-„Wahl“ dieses Jahrs fand  am 18.03.1400 (28.06.2021) statt. Doch diesmal lief die Show nicht ganz nach Plan.